Die Geschichte des Löschschaums

Das Feuer zählt unter den vielfältigen Naturerscheinungen sicher zu den faszinierendsten. Verständlich also, daß dieses Phänomen im Leben und Denken des Menschen von alters her eine besondere Rolle spielt. Dies um so mehr, als es für den Vorgang der Verbrennung lange Zeit keine wissenschaftlich fundierte Erklärung gab. So machte man z.B. noch im 17. Jahrhundert einen “geistigen” Stoff, namens Phlogiston, für die allmähliche Verflüchtigung brennenden Materials verantwortlich. Erst 1777 wies der französische Chemiker Lavoisier nach, daß die Verbrennung eine durch die Zündtemperatur ausgelöste, schnell verlaufende chemische Reaktion zwischen dem brennenden Stoff und dem ihn umgebenden Luftsauerstoff ist.

Aber noch mehr als von der Deutung des Verbrennungsvorganges wurde der Mensch von seinen Auswirkungen in Atem gehalten; denn so segensreich sich diese "Himmelskraft" einerseits auf den technischen Fortschritt und damit auf die Zivilisation auswirkte, so vernichtend waren andererseits die durch Feuer ausgelösten Brandkatastrophen. Natürlich setzte man sich zu jener Zeit mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln gegen den "Roten Hahn" zur Wehr, nur beschränkten sich diese lange Zeit auf die Löschmittel Wasser und Sand. Das änderte sich erst mit der in den 60er Jahren des neunzehnten Jahrhunderts beginnenden Erdölförderung und der zunehmenden Industrialisierung.

Angesichts der besonderen Gefahren, die von brennbaren Flüssigkeiten ausgehen, besann man sich um die Jahrhundertwende (1900) auf das bis dahin noch nicht verwertete Patent des britischen Forschers J.H. Johnsen. Dieser hatte bereits 1877 für die Bekämpfung der “in Mode gekommenen” Petroleumbrände einen chemischen Schaum empfohlen, der durch die Vermischung zweier Lösungen – Natriumbicarbonat und Saponin + sauer wirkendes Aluminiumsulfat – erzeugt wurde.

Der mit diesem Verfahren verbundene Aufwand – immerhin mußten bei Löscheinsätzen für beide Lösungen getrennte Vorratsbehälter mitgeführt werden – brachte die österreichischen Ingenieure I. Stanzing und R. König 1914 auf die Idee, Löschschaum mit Hilfe eines dem fließenden Wasser beizugebenden Pulvergemisches zu erzeugen. Dieses "Trockensystem" erleichterte die Feuerwehreinsätze zwar erheblich, erwies sich aber als sehr teuer.

Auf der Suche nach neuen Basisstoffen für die Löschschaumerzeugung stieß man Anfang der zwanziger Jahre auf wasserlösliche Eiweißprodukte, die durch chemischen Aufschluß aus organischen Rohstoffen, wie Huf oder Hornmehl, gewonnen wurden. Erst Mitte der dreißiger Jahre gelang es jedoch, diese Eiweißprodukte so zu stabilisieren, daß ein stabiler “Luftschaum” erzeugt werden konnte. Sehr schnell zeigte sich, daß dieses Protein-Schaummittel den bis dahin bekannten chemischen Schaumbildnern deutlich überlegen war. Das war die Geburtsstunde des modernen Luftschaumes! In kleiner Dosierung dem fließenden Wasserstrom zugemischt, läßt sich damit ein löschintensiver Schwerschaum erzeugen.

Im Verlauf der 50er Jahre gewannen die ersten synthetischen Mehrbereichschaummittel auf der Grundlage synthetischer, waschaktiver Substanzen, zunehmend an Bedeutung. Dazu gehörte 1953 auch ein Patent für das erste gelfilmbildende, alkoholbeständige Schaummittel.

Zu Beginn der sechziger Jahre wurden die ersten alkoholbeständigen Proteinschaummittel entwickelt. Anfang bis Mitte der Siebziger folgten die Fluor-Proteinschaummittel, ebenso wie die ursprünglich in den USA entwickelten wasserfilmbildenden AFFF-Schaummittel. Aus der Kombination von alkoholbeständigen, gelfilmbildenden Schaummitteln mit AFFF-Schaummitteln entstanden in den achtziger und neunziger Jahren die für den universellen Einsatz bestimmten alkoholbeständigen AFFF-Schaumbildner. Ebenso wurde in dieser Zeit das wasserfilmbildende Proteinschaummittel “FFFP” entwickelt.

Neue und weiterentwickelte Rohstoffe sowie Verbesserungen in der Zumischtechnik werden es künftig ermöglichen, neue Schaummittel mit verbesserten Eigenschaften und geringerer Zumischrate einzusetzen.

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